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Bezirk Meerbeck

Geschichte der ehemaligen Kirchengemeinde Meerbeck

Wir wollen nicht bis in die Reformationszeit zurückgehen, als die Grafschaft Moers sehr rasch nach Aufkommen der neuen theologischen Erkenntnis evangelisch wurde und in der Folge ihr reformiertes Gepräge erhielt, was noch heute unseren Kirchenkreis auszeichnet. Damals gab es den Ort Meerbeck noch gar nicht, hier gab es  ein paar Bauernhöfe und die Richtstätte der Grafen: den Galgenberg.

Meerbeck entstand mit der Entdeckung der Kohle und deren Abbau, für den um die Jahrhundertwende immer mehr Menschen aus „aller Herren Länder“, wie man so schön sagt, gebraucht wurden. Von daher ist Meerbeck schon immer multi-kulturell gewesen. Aber erst durch die Flüchtlingsströme aus dem evangelisch geprägten Osten nach dem zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufleben der Kohleförderung wurde  für die Meerbecker Evangelischen der Gedanke interessant, von der Kirchengemeinde Utfort selbstständig zu werden. Dies geschah schließlich am 1.10.1952.

Aber wo sollten nun die Gottesdienste stattfinden? Jahrelang hatte man sich beholfen, indem man sich im sogenannten Kinosaal der Waschanstalt der Zeche Rheinpreussen traf. Der damalige Generaldirektor der Rheinpreussen AG, Herr Dr. Heinrich Kost, machte mit einer großzügigen Spende von 171.000 DM den Bau von Gemeindesaal und Pfarrhaus an der Bismarckstraße möglich. Als nun im Rahmen der kommunalen Planungsarbeit das gegenüberliegende Gelände von 6500 qm zum Erwerb stand, entschloss sich das damalige Presbyterium zum Kauf und schon bald danach zum Bau einer Kirche:

So lautete der Beschluss am 30.4.1959 dann auch:  „Presbyterium erwägt, gegenüber dem Gemeindesaal auf dem Kirchengrundstück eine Kirche zu errichten.“ Am 12. Mai 1960 fiel der Beschluss, nunmehr den Bau in Angriff zu nehmen. Der anschließende Architektenwettbewerb ergab, dass die Arbeit des Diplom-Ingenieurs Günter Wiebe aus Düsseldorf als beste Lösung erschien: ein Kirchbau, der an einen Schiffsbug und das Dach an ein Zelt erinnert und den Gedanken an das wandernde Gottesvolk aufkommen lässt, so wie die Gemeinde Gottes in der Bibel beschrieben wird. So wurde Günter Wiede mit der Durchführung der weiteren Aufgaben beauftragt. Am 4. Advent 1962 zog die Gottesdienstgemeinde auf das Baugelände, wo Pfarrer Bergerhof bei klirrender Kälte den ersten Spatenstich vollzog. Nachdem am 1. Advent 1963 Richtfest gefeiert wurde, wurde die Johannes-Kirche am Erntedankfest, dem 4. Oktober 1964, mit einem Festgottesdienst in Gebrauch genommen.

Ihren Namen erhielt sie nach dem Evangelisten Johannes, dem der Vers entnommen ist, der der evangelischen Gemeinde Meerbeck zugrunde liegt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15,5)
Viele Spenden von Gemeindegliedern machten die Buntverglasung mit dem Motiv des brennenden Dornbuschs möglich (Entwurf: Ehepaar Hohmann), der rote Teppich war ein Geschenk der Frauenhilfe. die Taufgeräte schenkte die Evangelische Kirchengemeinde Utfort und die Kanzelbibel die katholische Schwestergemeinde. Die Glocken wurden ein Jahr später, zum Erntedankfest 1965, in Gebrauch genommen, und die Orgel (Orgelbaufirma Bürkle) –wiederum mit der Hilfe vieler Spenderinnen und Spender- konnte am Erntedanktag 1967 zum ersten Mal erklingen.

Im Sommer 1979 begann man mit der dringend notwenigen Betonsanierung der Fassade und des Glockenturmes.

Aber die Zeit bleibt nicht stehen: Viele Menschen waren in den Jahren um und nach dem Bau der Johannes-Kirche  aus der Kolonie Meerbeck in die Neubauten nach Eick und Meerfeld gezogen, und die Gemeinde wurde zahlenmäßig immer kleiner. Bereits im Mai 1996 war in einem großen Artikel einer Tageszeitung zu lesen, dass die Finanzmittel der Kirchengemeinde immer knapper werden und das Presbyterium dringend um eine Lösung der Gebäudefrage ringe, da alle Gebäude finanziell nicht mehr zu unterhalten seien. Das Gemeindehaus ist dringend renovierungsbedürftig, die Gemeindegliederzahl ist durch den Wegzug stark gesunken und die Johannes-Kirche für den sonntäglichen Gottesdienstbesuch  viel zu groß. Viele Ideen wurden ins Auge gefasst: Soll man das Gemeindehaus aufgeben und die Kirche um-und anbauen, um dort auch alle Gruppen der Gemeindearbeit stattfinden zu lassen? Oder soll man das Gemeindehaus sanieren? Man entschied sich für letzteres:  ein Teils des Kirchengrundstücks wurde verkauft, und mit dem Erlös wurde im Jahr 2002 das Gemeindehaus grundsaniert und am Erntedankfest 2002 mit einem Gemeindefest wieder in Betrieb genommen.
Im Grunde war der Entschluss zur Gemeindehaus-Sanierung schon ein Vorgriff auf die Entscheidung, die das Presbyterium im April 2011 traf: die Kirche soll einer anderen Nutzung zugeführt werden, da die Finanzlast des Gebäudes nicht mehr tragbar ist; dabei soll das Kirchengebäude möglichst bestehen bleiben. Schon seit einigen Jahren finden die Gottesdienste von Januar bis zum Gründonnerstag wieder im Gemeindehaus statt, um die hohen Heizkosten für die Kirche zu sparen. Ein studentischer Wettbewerb ergab viele interessante Vorschläge für eine Umnutzung der Johannes-Kirche, die aber in finanzieller Hinsicht nicht umsetzbar waren.

Als das Presbyterium Frühjahr 2014 erfuhr, dass die Evangelische Kirche im Rheinland ein Gebäude für ein landeskirchliches Archiv sucht, erschien dies als Möglichkeit einer würdigen Umnutzung. Die Kontakte waren schnell geknüpft, und so lautete der Beschluss des Presbyteriums am 26. August 2014: „Das Presbyterium beschließt, dem Verkauf der Kirche (Bismarckstraße 32, 47443 Moers) sowie des Glockenturms an die Ev. Kirche im Rheinland zwecks Errichtung eines landeskirchlichen Archivs... zuzustimmen“.

So feierte die Gemeinde am 18. Januar 2015, rund 50 Jahre nach dem Festgottesdienst zur Ingebrauchnahme, die Entwidmung der Johannes-Kirche und die Umnutzung zum landeskirchlichen Archiv. In Zukunft wird die Gemeinde ihre Gottesdienste -so wie zu Beginn des Gemeindelebens in Meerbeck- wieder im Gemeindehaus feiern. Sie tut dies  mit einem Gefühl großer Dankbarkeit, dass sie dieses schöne Gotteshaus 50 Jahre lang hat nutzen dürfen, und in Erinnerung an allen Segen, den Menschen in dieser Kirche erfahren haben und der von diesem Ort in den Stadtteil hinaus strahlte. Sie tut dies aber auch in der Gewissheit, dass die Gemeinde viel mehr ist als der Raum, in dem sie Gottesdienst feiert. Gemeinde wird in der Bibel als „wanderndes Gottesvolk“ beschrieben (Hebr. 13,13f), zu dem immer auch Aufbruch und Unterwegssein gehören. Gott wirkt gewiss auch heute durch Jesus Christus in seiner Gemeinde, auch dort, wo diese ihr Kirchgebäude aufgeben muss. Er ist überall da, wo Menschen sich in seinem Namen versammeln und in allen Wechselfällen des Lebens auf seine Weisung hoffen und sich unter seinen Segen stellen.

Und so wird er auch weiterhin mit seinem Geist und seinem Segen in der nun neu gegründeten Gemeinde Rheinkamp sein, in der die ehemalige Kirchengemeinde Meerbeck  jetzt als Bezirk weiter existiert.

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